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Geistige und körperliche Aktivität

By 10. Juli 2017 Januar 17th, 2020 Wissen

Vernetzte Leistungsfähigkeit

Es scheint immer noch einige Menschen zu geben, die noch nichts davon gehört haben: Es bestehen enge Beziehungen zwischen körperlichen Aktivitäten und den dazu gehörigen Gehirnabschnitten. Eine Verbindung zwischen Ernährung und geistiger Fitness. Durch moderne technische Hilfsmittel ist es seit einigen Jahren möglich, das was sich bei immer mehr Führungskräften herumgesprochen hat: Der Zusammenhang zwischen Bewegung, Ernährung und Leistungsfähigkeit lässt sich in der Zwischenzeit in Zahlen und Daten ausdrücken. Übergewicht ist keine „Veranlagung“, wie einige, leicht bis schwer übergewichtige Ärzte zum Teil noch propagieren. Schlimm genug, das sich Führungskräfte, die versuchen eine ganzheitliche gesundheitsfördernde Arbeits- und Lebensweise in ihren Bereichen zu implementieren, noch alzu häufig als Spinner abgestempelt werden.

Oliver: “Der an der Hotelbar rauchende und saufende Manager und Handlungsreisende gehören zu einer im wahrsten Sinne aussterben Gattung.”

Führung Rolle Vorbild

Unser Gehirn reagiert strukturell und funktionell auf unterschiedliche qualitative und quantitative Beanspruchung. Im Klartext: Chips und Bier im Sitzen vor der Glotze machen eben nicht nur körperlich, sondern auch geistig träge. Und das vom Kindes- bis zum Greisenalter. Was für viele Eltern Alltag ist, wird zunehmend Alltag für Führungskräfte: zuerst einmal mit guten Beispiel vorangehen. Für gesundheits-bewusste Eltern ist es zum teil ein Spießrutenlauf an den zuckerlastigen Versuchungen von jedem Lebensmittellade vorbei zu kommen. Gehen Sie mal eine Woche lang einkaufen und versuchen auf alles zu verzichten, wo kein raffinierter Zucker beigemischt wurde. Einigen besonders cleveren Marketingspezialisten ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen Zucke als „Nervennahrung“ zu verkaufen. Dazu kommen dann noch künstliche Fette in verschiedenen Formen und energielose Kohlehydrate in schlaffen Weißmehlprodukten. Wenn Sie das jetzt noch kombinieren mit der Leistungskurve, die angeblich am Nachmittag rapide abfällt, dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, warum manche Mitarbeiter bis in den Abend hinein über ihren Aufgaben brüten.

Oliver: “Die alten können sich noch daran erinnern, das es sich mit einem „leeren“ Bauch besser studieren ließ.”

Führung und Bewegung

In immer mehr Unternehmen gehört sich Freundlichkeit den Kunden und Kollegen gegenüber zum Pflichtprogramm. Der unfreundliche Umgang, insbesondere mit Kunden, kann zu Abmahnungen führen. Der unsachgemäße Umgang mit Werkzeugen und Materialien ebenso. In unzähligen Workshops und Meetings werden Leitlinien für den Umgang miteinander angefertigt.

Wenn Sie jetzt als Führungskraft und Entscheidungsträger auf die Idee kommen nur noch Menschen mit Normalgewicht einzustellen, die nicht Rauchen, dann kann es Ihnen passieren, das Sie angezählt werden, weil Sie ungleich behandeln.

Sie können als Manager erfolgreich ein Unternehmen aus der Unwirtschaftlichkeit zurück ans Licht eines der schwarzen Zahlen im DB III holen. Wenn Sie auch die Kantine umstrukturieren und den „Sitzarbeitern“ die schweren Kartoffel- und Fleischmahlzeiten wegnehmen und gegen Salat und Gemüse austauschen, dann kann es Ihnen passieren, das 60 Kilo Übergewicht, verteilt auf zwei bis drei Aktivisten, eine Gegenbewegung starten. Immerhin, Sie haben etwas in Bewegung gebracht, was für immer mehr Menschen in unserem Kulturkreis notwendig wird.

Aber halt. Das sind alles sicher viel zu scharfe Worte.

Versuchen wir es mal etwas gemäßigter.

 Die Liste derer, die sich mit gesunder Lebenserhaltung beschäftigt haben und beschäftigen ist viel zu lang, um sie hier alle anzugeben. Auch das was jeder dieser Experten vorschlagen ust unterschiedlich und zum Teil auch durchaus wiedersprüchlich und streitbar. Aber es gibt, soweit mir bekannt niemanden, der in irgendeiner Form von Übergewicht einen gesundheitsfördernden Mehrwert erkannt hat. Es scheint eher so, das sich die meisten Experten, egal aus welcher Disziplin sie kommen, die Kombination aus  gezielten körperlichen Bewegungen, deren Koordination in Gewandtheit und Geschicklichkeit, zusammen mit einer aeroben dynamischen Muskelbeanspruchungen, für eine maßgebliche Rolle zu bei „der optimalen Entwicklung von Körper und Geist im Kindesalter und bei der Begegnung alternsbedingter körperlicher und geistiger Leistungsverluste beim älteren und alten Menschen“[1] halten .

Die Auswirkungen von Bewegung auf die Hirnfunktion

 

Prof. Dr. med. Wildor Hollmann – Deutsche Sporthochschule Köln:

Die Auswirkungen von Bewegung auf die Hirnfunktion

Bewegung …

  • steigert die Zahl der Nervenzellen im Gehirn und bremst so Alterungsprozesse,
  • steigert die Hirndurchblutung um bis zu 30%,
  • fördert die Gehirnentwicklung im Kindesalter durch die Bildung von Synapsen (Nervenverbindungen),
  • belohnt uns mit der Ausschüttung von „Glückshormonen” (Serotonin, Dopamin) und beeinflusst so die Stimmung positiv.

Zudem wird ein Zusammenhang zwischen Bewegung und dem Neuaufbau von Spines, dem Ort unseres Kurzzeitgedächtnisses, wissenschaftlich vermutet.

Tierisch menschlich

Auf interdisziplinären Kongressen ist man sich unter Astronomen, Teilchenphysikern, Biologen und Medizinern verschiedenster Fachrichtungen über einen Punkt einig: Das menschliche Gehirn stellt das komplizierteste und am wenigsten erforschte Gebilde im ganzen uns bekannten Universum dar. Es gehorcht nicht nur den üblichen Gesetzen von Physik und Chemie, sondern produziert darüber hinaus den so genannten „Seiner-selbst-bewussten-Geist”. Unserer Definition nach versteht man darunter die Fähigkeit zum abstrakten Symboldenken unter Ich-Bezug, Zukunftsplanung und Sprachanwendung. Es handelt sich um die einzige qualitative Differenzierungsmöglichkeit zwischen dem Menschen und jedem Tier.

Unter den Deutungsmöglichkeiten menschlichen Geistes stehen sich zwei Hauptmeinungen gegenüber: die monistische und die dualistische. Die monastische Auffassung besagt, dass der menschliche Geist das Produkt ist von Struktur, Physik und Chemie der Nervenzellen im Gehirn. Die dualistische Partei vertritt hingegen den Standpunkt, der menschliche Geist bediene sich lediglich der Struktur, Physik und Chemie des menschlichen Gehirns, ohne damit identisch zu sein. Man vergleicht die Situation mit einem Klavierspieler, der die herrlichsten Klänge aus einem scheinbaren Gewirr von Tasten und Drähten produzierenden kann, ohne jedoch mit dieser Apparatur identisch oder verschmolzen zu sein.

Vom Entscheiden zum Handeln

Der Fortschritt der naturwissenschaftlich biologischen Gehirnforschung hat im vergangenen Jahrzehnt die „Monisten” mehr und mehr Oberwasser gewinnen lassen, Dennoch gibt es heute noch unerklärliche Phänomene. Dazu zählt der Begriff „Zeit” in unserem menschlichen Gehirn. Experimentelle Untersuchungen in Verbindung mit Gehirnoperationen bei tumorkranken Menschen führten zu dem erstaunlichen Resultat, dass unser menschliches Gehirn in Bezug auf den Zeitfaktor stets einige Zehntel Sekunden hinterherhinkt. Man glaubt, „jetzt” einen Entschluss gefasst zu haben, z.B. aus dem Bett aufzustehen. Tatsächlich aber ist dieser Entschluss im Gehirn schon eine bemerkenswert lange Zeitspanne vorher entstanden, ohne jedoch in unser Bewusstsein einzudringen. Die Ursachen für dieses Phänomen sind bis heute ungeklärt.

Gehirn, Psyche und körperliche Aktivität

Noch in der ersten Hälfte der 80er Jahre war in neurologischen Lehrbüchern zu lesen, dass keine Form muskulärer Beanspruchung die Gehirndurchblutung beeinflussen könnte. Ein Automatiezentrum würde wegen der Bedeutung des Gehirns dessen Durchblutung stets konstant hal­ten. Allerdings hatte man schon Ende der 70er Jahre bei positronenemissionstomographischen Untersuchun­gen (PET, Verfahren zur Untersu­chung der Hirnaktivität) beobachtet, dass Mund- oder Augenbewegungen und insbesondere Fingerbewegungen an Einzelstellen des Gehirns Durchblutungszu­nahmen auslösten.

Beide Hände machen nur ca. 2% der Kör­permasse aus, sind jedoch in 60% des Ge­hirns repräsentiert. So ist es verständlich, dass Fingerbewegungen analog dem Kla­vierspielen in 60% Gehirnfläche eine Durch­blutungssteigerung zwischen 20 und 30% bewirken können.

In Verbindung mit dem Max-Planck-Institut für Gehirnforschung in Köln (Prof. Dr. Heiss, Prof. Dr. Herholz) untersuchten wir das regionale Gehirndurchblutungsverhal­ten bei Fahrradergometerarbeit. Technisch bedienten wir uns eines Kollimatorensystems und Xenon133-Bolusinjektionen. Schon bei ei­ner Belastungsstufe von 25 Watt, analog ei­nem ganz langsamen Spaziergangstem­po, zeigte sich in allen untersuchten Ge­hirnabschnitten eine deutliche Durchblu­tungssteigerung von 10 bis 20% über den Ruhewert hinaus. Stieg die Belastungsin­tensität auf 100 Watt, nahm die Durchblu­tung auf 15 bis 30% über den Ruheaus­gangswert zu.

Fazit:

Muskuläre Arbeit steigert belastungsabhän­gig die Durchblutung verschiedener Hirnre­gionen um bis zu 30%.

Stoffwechsel und Wechselstoffe

Wir fragten uns nach den Gründen hierfür. Bei muskulärer Arbeit ist die Gehirnaktivität nämlich zwar geringfügig verändert, aber keineswegs vergrößert im Vergleich z.B. zu bestimmten Schlafphasen. Wenn also demgemäß der Stoffwechselbedarf unverändert blieb, welchem Zweck sollte dann eine verstärkte Durchblutung einzelner Gehirnabschnitte dienen?

Zur Beantwortung dieser Frage untersuchten wir zahlreiche Stoffwechselvorgänge und -produkte sowie einige „klassische” Hormone während unterschiedlich dosierter körperlicher Belastung. Es ergaben sich keinerlei Zusammenhänge mit dem verän­derten Durchblutungsmuster des Gehirns.

Unsere Hypothese lautete nun: Kann es nicht sein, dass die lokal vergrößerte Durch­blutung dem Zweck dient, an den betreffenden Gehirnstellen vermehrt gebildete Stoff­wechsel- oder Hormonsubstanzen so kom­pakt oder so schnell wie möglich an peri­phere Zielorte zu transportieren?

Von Endorphinen und Morphinen

Dementsprechend folgten im nächsten Schritt Untersuchungen des Endorphinver­haltens. Endorphine, also morphiumähnli­che Substanzen, sind erstmals von den schottischen Forschern Hughes und Koster­litz 1975 beschrieben worden. Wir stellten fest, dass bei Überschreitung einer kriti­schen Belastungsintensität von 60 bis 70% der persönlichen Höchstleistung diese En­dorphine um das 3-4fache über den Ruhe-ausgangswert ansteigen.

Welchen Effekt aber hat die vermehrte En­dorphinbildung? Um das zu untersuchen, ließen wir uns eine Zahnkrone herstellen, die bei freiwilligen Probanden einem gesun­den Zahn übergestülpt wurde. Am unteren Ende der Krone befand sich ein elektrischer Kontakt mit der Zahnpulpa. Die betreffenden Probanden erhielten nun mehrmals wöchentlich je eine halbe Stunde lang un­terschiedlich dosierte elektrische Schläge. Nach kurzer Zeit konnten die Versuchsper­sonen recht genau unterscheiden, mit wel­cher Stromstärke sie gereizt worden waren.

Nunmehr erfolgte eine erschöpfende Bela-stung auf dem Fahrradergometer. Direkt nach Belastungsende erhielten die Proban­den die gewohnten elektrischen Stromstöße über die künstliche Zahnkrone. Es konnte festgestellt werden, dass die Stromstärke bis zu 75% gesteigert werden musste, damit die betreffenden Personen überhaupt den Ein­fluss des Stroms bemerkten.

Die körperliche Belastung hatte also zu einer weitgehenden Schmerz­unempfindlichkeit geführt.

Dafür konnten aber auch andere Substan­zen als Endorphine verantwortlich sein. Um das näher beurteilen zu können, erfolgten Doppelblindversuche, in denen entweder eine physiologische Kochsalzlösung oder Na­loxon (Opiumblocker) gespritzt wurde. Das Resultat lautete: War physiologische Koch­salzlösung verabfolgt worden, ergab sich dasselbe Phänomen der weitgehenden Schmerzunempfindlichkeit nach erschöp­fender Arbeit. Hatten die Versuchspersonen aber Naloxon erhalten, war auch nach erschöpfender Arbeit die Schmerzempfind­lichkeit sogar noch größer als unter Normal­bedingungen in Körperruhe.

Damit war eindeutig der Beweis erbracht, dass die bei Arbeit vermehrt produzierten Endorphine die Schmerzempfindlichkeit verminderten. Sicherlich ein sehr zweckvol­ler Vorgang der Natur, welcher in grauen Vorzeiten auf der Flucht vor wilden Tieren oder beim Beutemachen die Betreffenden auch bei intensiver körperlicher Belastung möglichst lange belastungsfähig erhielt.

Mit der verminderten Schmerzsensibi­lität war eine deutlich verbesserte Stim­mung zu verzeichnen. Das konnte anhand von Punktzahlen über psychologische Testbo­gen nach entsprechender Einführung der Ver­suchspersonen eindeutig ermittelt werden.

Veränderungen des Stoffwech­sels unter Belastung

In Untersuchungen mit dem Forschungs­zentrum Jülich (Prof. Dr. Müller-Gärtner, Priv.-Doz. Dr. Herzog) untersuchten wir das Stoffwechselverhalten mittels PET bei Fahr­radergometerarbeit. Erfolgte eine Belastung mit 60% der individuellen Leistungsfähig­keit 10 Minuten lang, nahm an verschiede­nen Punkten des Frontal- und Mittelhirns der Glukoseumsatz ab, um im Hinterhaupts­hirn noch anzusteigen. Es ist denkbar, dass kompensatorisch bei unverändertem Stoff­wechselumsatz Ketonkörper (Fettstoffwech­selprodukte) verbrannt werden.

Außer von Endorphinen, gegebenenfalls auch von Ketonkörpern, kann die Stimmung auch durch eine vermehrte Freisetzung von Serotonin und Dopamin (Nervenübertra­gungsstoff) positiv beeinflusst werden.

Ein anderer Weg der psychischen Beeinflus­sung ist eine langdauernde aerobe dynamische Arbeit, z.B. Laufen oder Radfahren über eine Zeitspanne von 90 bis 120 Minuten. Auch hierdurch wird vermehrt Serotonin gebildet.

Die angenehm gelöste, positive Stimmung nach sportlichen Belastungen kann aber auch noch andere biochemische Ursachen haben. So steigt in der Erholungsphase der während einer körperlichen Belastung abgefallene In­sulinspiegel wieder an. In Verbindung hiermit werden die verzweigtkettigen Aminosäu­ren bei langdauernder Arbeit verstärkt von den Muskelzellen und von der Leber aufge­nommen. Das geschieht in Kompensation der nunmehr aufgrund der Belastungsdauer ver­ringerten intramuskulären Glykogendepots. Da dies aber nicht für Tryptophan gilt, stei­gen dessen Chancen, an der Blut-Hirn-Schranke Aminosäurentransporter zu finden. Der aus dem Tryptophan im Gehirn ver­mehrt gebildete Neurotransmitter hebt über das limbische System die Stimmung.

Bei einer submaximalen körperlichen Belastung steigt auch die Blutkonzentra­tion an Noradrenalin und Dopamin an, die als wichtige Neurotransmitter im Gehirn ebenfalls die Stimmung positiv beeinflussen können.

Von diesen und weiteren, hier nicht aufzu­führenden Befunden schließen wir auf eine enge biochemische Verbindung zwischen Gehirnfunktion, Skelettmuskulatur und dem System von Herz, Kreislauf und Atmung.

Altersabhängige Gehirnveränderungen und körperliche Aktivität

Der erwachsene Mensch – Mann wie Frau – verfügt über ca. 100 Milliarden Nerven­zellen (Neuronen) im Gehirn. Geboren wird der Mensch jedoch mit ca. 160–180 Milliar­den. Speziell im Laufe der ersten 2–4 Jahre, im Extremfall etwa bis zum 8. Lebensjahr, wird die Zahl auf die des Erwachsenen re­duziert. Die Natur arbeitet also gewissermaßen mit einem Sicherheits-Überschuss.

In experimentellen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass zwar kein linearer, aber ein tendenzieller Zusammenhang besteht zwischen Zahl der Neuronen im Ge­hirn und Intelligenzfaktoren. Unter „Intelli­genz” verstehen wir die Summe von Analy­siervermögen, Synthetisiervermögen, Erin­nerungsvermögen und Originalität.

Theoretisch ist es also wünschenswert, mit einer möglichst großen Zahl von Neuronen in das Erwachsenenalter einzutreten. In ex­perimentellen Untersuchungen konnte ge­zeigt werden, dass der stärkste Reiz zur Erhaltung von im Überschuss vorhande­nen Nervenzellen gezielte körperliche Bewegungen sind (Koordination). Darum ist es aus dieser Sicht gerechtfertigt, schon im Vorschulalter möglichst viel körperliche Be­wegung anzustreben, z.B. in Form von Ballwerfen und -fangen, Balltreten u.a.

Synapsen und Neuronen

Nur solche Nervenzellen, denen es gelingt, Verbindungen mit anderen Nervenzellen aufzunehmen (Synapsen), überleben. Bei der Geburt eines Menschen liegen solche Synapsen noch kaum vor. Wenn Kinder ei­nen ausgeprägten Bewegungsdrang besit­zen, der sich für Erwachsene oft unange­nehm äußert (z.B. wenn Kinder nicht ruhig sitzenbleiben können und ständig herumlaufen müssen), dient dieser Drang mögli­cherweise dem Aufbau von Synapsen und damit dem Erhalt von Neuronen.

Bis vor kurzem wurde geglaubt, dass man das Gehirn mit einem Computer verglei­chen könnte, in seiner Funktion aus Hardware und Software bestehend. Ein „Hardware Gehirn” gibt es aber nicht. Ununter­brochen, sogar in minütlichen Distanzen, erfährt das menschliche Gehirn einen Umbau. Man spricht von der „Hirnplastizität”. Wiederum ist der stärkste Reiz zur För­derung dieser Hirnplastizität körperli­che Bewegung. Die früher stets an erster Stelle genannten geistigen Tätigkeiten rangieren offenbar erst an zweiter Stelle. Das konnte zumindest in Tierversuchen eindeu­tig bewiesen werden, allerdings in der Tierreihe bis hinauf zum Schimpansen, unserem nächsten Verwandten.

Hirnplastizität

Die Hirnplastizität äußert sich darüber hinaus in einem Einfluss von körperlicher und geistiger Aktivität auf die Struktur der Sy­napsen (Verdickungen oder Verdünnungen einzelner Bestandteile) sowie auf die Zahl und die Struktur der Rezeptoren. Letztere sind spezielle Eiweißgebilde in Nervenzell­membranen, welche in Abhängigkeit von ih­rer Art unterschiedliche chemische und phy­sikalische Reize weiterleiten. Die Zahl und die Flächenausdehnung von ein und demselben Synapsentyp entscheidet z.B. über die Größenordnung der Repräsentation ein­zelner Skelettmuskeln im Gehirn. So arbei­tet z.B. ein Cellist bewegungsmäßig prak­tisch nur mit einer Hand, während die an­dere eine Haltefunktion ausübt. In jüngsten Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die betreffende bewegungsaktive Hand bis zu eineinhalb Zentimeter größer in der Großhirnrinde vertreten ist als die mit einer Haltefunktion bedachte Hand. Nach unserer Hypothese könnten sich in diesem Bereich die entscheidenden Veränderungen abspielen, welche die psychischen und kör­perlichen Symptome von Übertraining auslösen. Es kommt dann nämlich durch eine Überproduktion von Rezeptoren zu Über­schneidungen mit anderen Gebieten, wel­che nun nicht mehr leistungsförderlich, son­dern leistungsbeeinträchtigend wirken.

Eine der größten Überraschungen in der heutigen Nervenheilkunde war 1998 die erstmalige Beobachtung, dass Nervenzellen im Gehirn neu entstehen können. Bis dahin war man der Auffassung, dass das Gehirn ein Leben lang mit ein und denselben Ner­venzellen auskommen müsste. In den ver­gangenen zwei Jahren konnte die volle Funktionsfähigkeit dieser neuen Nervenzel­len nachgewiesen werden. Auch hier wieder die nur auf den ersten Blick erstaunliche Feststellung: Der stärkste Anreiz zur Neubildung von Nervenzellen im Ge­hirn ist körperliche Bewegung.

Altersbedingter Zellverlust

Im Zuge der Alterungsvorgänge nimmt das Gehirngewicht ständig ab. Hauptursache ist ein Wasserverlust. Der früher einmal ange­nommene alternsbedingte Zellverlust ist von nur geringer Größenordnung und beschränkt sich auf einzelne Gehirnabschnitte. Weitaus wichtiger ist die relativ früh im Leben einsetzende Verminderung der Zahl von Dendriten, jener Nervenausläufer, welche Informationen zur eigenen Nervenzelle hin transportieren. Dieser Prozess beginnt be­reits etwa mit dem 50.–60. Lebensjahr einzusetzen.

Auf den Dendriten (Ausläufer von Nerven­zellen) befinden sich spezielle Dornen (Spines) in milliardenfacher Anzahl. Sie stellen die einzigen Orte des menschlichen Kurz­zeitgedächtnisses dar. Die alternsbedingte Verminderung ihrer Zahl lässt die Qualität des Kurzzeitgedächtnisses als mehr oder we­niger ersten Alterungsvorgang des Gehirns in Erscheinung treten.

In eigenen Untersuchungen stellten wir uns die Frage, ob derartigen Prozessen durch körperliche Aktivität entgegengewirkt werden kann. Wie bereits früher festgestellt, ist jede dynamische Muskelbeanspruchung mit einer lokalen Vermehrung der Gehirndurch­blutung verbunden. Diese geht ihrerseits au­tomatisch mit einer lokal vermehrten Pro­duktion von Nervenwachstumsstoffen und zahlreichen anderen biochemischen Produk­ten einher. Theoretisch wäre es daher denkbar, dass körperliche Bewegung einen Neuaufbau von Spines bewirken kann.

Wir untersuchten deshalb männliche Perso­nen mit einem Altersdurchschnitt von 69 ± 3,5 Jahren. Sie mussten 12 Wortpaare mit hohem bildlichen Gehalt, aber ohne eine in­nere Beziehung wiedergeben. Die Untersuchungsergebnisse wurden mit denen junger Männer mit einem Durchschnittsalter von 24 ± 3,6 Jahren verglichen. Die älteren Per­sonen benötigten 7-13 Präsentationen, um 83 ± 5% der Zielwerte zu erreichen, wäh­rend junge Probanden eine Wiederholungs­sicherheit von 100% schon nach 2 bis 4 Präsentationen aufwiesen.

In Verbindung mit diesen Aufgabenstellungen führten wir positronenemissonstomographische Untersuchungen         (PET) durch.

Zunächst konnte festgestellt werden, dass mit zunehmendem Alter größere Gehirnbezirke zur Lösung von ein und derselben Aufgabe benötigt werden. Offenbar werden also „Qualitätsverluste des Gehirns” durch eine Zu­satzmobilisierung von Gehirnflächen kompensiert. Führten nun unsere älteren Perso­nen ein einjähriges aerobes dynamisches Training in Form von 2 bis 3mal wöchentlichen Spaziergängen und Wanderungen von je mindestens 45 Minuten Dauer durch, ergaben sich Befunde, die in der Tendenz de­nen von jungen Probanden ähnelten. Die Größenordnung der aktivierten Gehirnbezirke in Verbindung mit dem Lösen der gestell­ten Aufgaben nahm signifikant ab. Ähnliche Befunde konnten von einer schweizerischen und einer amerikanischen Arbeits­gruppe ermittelt werden.

Das Gehirn als leistungsbegrenzender Faktor

Unter leistungsphysiologischen Aspekten ist dem Gehirn noch bis vor kurzem keinerlei Bedeutung beigemessen worden. Letztlich wurden stets die Funktionsfähigkeit der Ske­lettmuskulatur in Verbindung mit der Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit bei gesunden Menschen als die allein entscheidenden Fak­toren angesehen. Experimente an Leis­tungssportlern in Verbindung mit dem Dopaminagonisten Pergolide ergaben eine hochsignifikante Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme und der aerob-anaeroben Schwelle. Wurde hingegen durch Paro­xetin der Serotoninstoffwechsel im Gehirn verändert, sank die Ausdauerleistungsfähig­keit. Gleichzeitig ergaben sich signifikante Reduzierungen in der kognitiven Leistungs­fähigkeit bei einem Konzentrationstest nach der körperlichen Belastung, welcher einfa­che mathematische Berechnungen enthielt. Durch diese Untersuchungen konnte eine leistungsbegrenzende Rolle des Gehirns bei körperlicher Arbeit demonstriert werden.

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